Die Feste der frühen Epochen waren stark sexuell betont. Ihr Höhepunkt war oft das, was man heute Gruppensex nennt und als sozial rein negativ einstu… - Gisela Bleibtreu-Ehrenberg

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Die Feste der frühen Epochen waren stark sexuell betont. Ihr Höhepunkt war oft das, was man heute Gruppensex nennt und als sozial rein negativ einstuft. Allerdings vermag Sexualität tatsächlich soziale Spannungen abzubauen, und sie 'befriedigt' nicht nur, sie befriedet auch. Der Mensch ist anthropologisch auf viel mehr Sexualkontakte angelegt, als unsere rigide Kultur uns erlaubt, ja, nur als 'menschenwürdig' hinstellt. Die als sogenannte unnennbare Unsittlichkeit abqualifizierten Sexualbräuche vieler Naturvölker wurden von den weißen Kolonialherren oft als willkommene Vorwände instrumentalisiert, um die betreffenden Stämme guten Gewissens zu drangsalieren und zu dezimieren. Künder des Islam im Orient und Vertreter des Konfuzianismus in China bemühten sich ihrerseits ebenso wie Weiße zwecks christlicher Mission, sexuelle Riten möglichst total auszurotten, wo immer sie noch auf sie trafen: Was vordem Kult war, wurde zur Unzucht umdefiniert. Die Praxis hat bei den meisten Naturvölkern dazu geführt, daß die betreffenden Rituale erloschen. Vergleichbare Sitten sind in der Frühzeit auf dieselbe Art verschwunden, zwar nicht aus denselben, aber aus ähnlich strukturierten Gründen, denn in allen patriarchalischen Ethnien gelten orgiastische Riten als sozialschädlich.

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About Gisela Bleibtreu-Ehrenberg

Gisela Bleibtreu-Ehrenberg (born 2 August, 1929) is a German sociologist, ethnologist, sexologist, and writer further specializing into the fields of psychology, Indo-European studies, religious studies, philology, linguistics, and philosophy, since 1980 also increasingly anthropology. Being especially active in the fields of sexuology, homophobia, and prejudice studies, she was until her retirement a leading member of the German Society for Social-Scientific Sexuality Research.

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Alternative Names: Gisela Ingeborg Bleibtreu-Ehrenberg

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Wo die "Beleidigung sittlichen Gefühls", wo "moralische Begriffe" höher gestellt werden als die eigene, auf rationaler Basis erarbeitete Strafrechtstheorie, dort darf man mit voller Berechtigung von einem totalen Sieg des Vorurteils über die Vernunft sprechen.

Um es vorwegzunehmen: Jene dargelegte 'kultische Dominanz' der Frau ist kein Matriarchat oder Feminat gewesen; zu der Sozialstruktur, die wir heute 'Patriarchat' nennen, hat es niemals ein weibliches Pendant gegeben. [...] Nichtsdestoweniger sind einige der Befunde, worauf die alten Ethnologen und Soziologen (und Sozialisten) ihre falschen weltumspannenden Theoreme aufbauten, tatsächlich wahr und in der Realität bei einigen Naturvölkern heute noch vorfindbar, nur müssen sie besser gedeutet werden als vordem, nämlich objektiver. Und insofern sollte eher von maternalen denn von matriachalen Kulturelementen gesprochen werden, wenn man solch kulturell-soziale Zusammenhänge unter globalem Aspekt anspricht. [...] Jedenfalls zählen zu den kulturellen Zügen, um die es hier geht, zusammengefaßt etwa folgende, die heute nurmehr selten irgendwo alle gleichzeitig auftreten: In der Erbfolgereglung wird die mütterliche Linie gewählt, Kinder gehören stets zur Mutterseite. Eigentum, gelegentlich auch Rechte werden in der mütterlichen Linie vererbt (entweder von der Mutter auf die Tochter oder vom Mutterbruder auf den Schwestersohn). Es herrscht sog. matrilokale Wohnfolge, d. h. der Ehemann tritt in die Sippe der Frau ein und wohnt dort. Bei beiden Geschlechtern herrscht voreheliche sexuelle Ungebundenheit, bei den Mädchen weitgehende Freiheit in der Gattenwahl und große Selbständigkeit in der Ehe mit leichter Scheidungsmöglichkeit für die Frau. Die weibliche Stellung in Kult und Religion ist relevanter als die der Männer. Der biologische Vater gilt als mit seinen Kindern nicht verwandt; seine Stelle nimmt, was Erziehung und Fürsorge betrifft, der Mutterbruder ein: Er ist der soziale Vater für alle Kinder seiner Schwester, auch wenn diese von verschiedenen Vätern stammen. [...] Das ganze Denkmuster, das hier nur extrem knapp umrissen wird, gibt im Grunde keinen Hinweis darauf, daß die betreffenden Menschen die Zusammenhänge zwischen Zeugung und Geburt gekannt hätten.

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Let it be said in advance: This 'ritual dominance' of females was by no means whatsoever a matriarchy, for there never existed a female aequivalent to the social structure we refer to as 'patriarchy' today. [...] Yet, a number of the findings which 19th century ethnologists and sociologists (even socialists) based off their figments of a proto-historical global matriarchy are certainly valid, and some of these features are empirically observable in primitive peoples even today. These findings only require to be interpreted more reasonably, that is less biased to one side or the other. Thus, one is more justified in speaking of maternal rather than "matriarchal" cultural elements when addressing these socio-cultural affairs. [...] The cultural traits we are dealing with here, and that in the modern period have become extremely rare in this combination, may be summarised as the following: Lineal descent was maternal, children were regarded as descendant from the mother. Property, at times also authorisations were passed down the maternal line, either from mother to daughter or from maternal uncle to the son on the sister's side of the family. Residential affairs were matrifocal, i. e. a husband joined the bride's family and he moved in with them. Both sexes were free to be promiscuous prior to marriage, whereas females were free to choose their marital spouse, they were entitled to wide-reaching rights even as wifes, and it was easy for them to get a divorce. The ritual and religious role of females was more relevant than that of males. Biological fathers were not considered related to their children, their role as educator and caretaker was held by the mother's brother who was the social father for all of her children, even if they were fathered by different men. [...] Having only briefly summarised the dominant social order above, none of these traits we know hint in the slightest towards the idea that the people [of the Maternal Megalith Culture] in question were at their time aware of the causal relation between sex and giving birth.

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