Um es vorwegzunehmen: Jene dargelegte 'kultische Dominanz' der Frau ist kein Matriarchat oder Feminat gewesen; zu der Sozialstruktur, die wir heute '… - Gisela Bleibtreu-Ehrenberg

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Um es vorwegzunehmen: Jene dargelegte 'kultische Dominanz' der Frau ist kein Matriarchat oder Feminat gewesen; zu der Sozialstruktur, die wir heute 'Patriarchat' nennen, hat es niemals ein weibliches Pendant gegeben. [...] Nichtsdestoweniger sind einige der Befunde, worauf die alten Ethnologen und Soziologen (und Sozialisten) ihre falschen weltumspannenden Theoreme aufbauten, tatsächlich wahr und in der Realität bei einigen Naturvölkern heute noch vorfindbar, nur müssen sie besser gedeutet werden als vordem, nämlich objektiver. Und insofern sollte eher von maternalen denn von matriachalen Kulturelementen gesprochen werden, wenn man solch kulturell-soziale Zusammenhänge unter globalem Aspekt anspricht. [...] Jedenfalls zählen zu den kulturellen Zügen, um die es hier geht, zusammengefaßt etwa folgende, die heute nurmehr selten irgendwo alle gleichzeitig auftreten: In der Erbfolgereglung wird die mütterliche Linie gewählt, Kinder gehören stets zur Mutterseite. Eigentum, gelegentlich auch Rechte werden in der mütterlichen Linie vererbt (entweder von der Mutter auf die Tochter oder vom Mutterbruder auf den Schwestersohn). Es herrscht sog. matrilokale Wohnfolge, d. h. der Ehemann tritt in die Sippe der Frau ein und wohnt dort. Bei beiden Geschlechtern herrscht voreheliche sexuelle Ungebundenheit, bei den Mädchen weitgehende Freiheit in der Gattenwahl und große Selbständigkeit in der Ehe mit leichter Scheidungsmöglichkeit für die Frau. Die weibliche Stellung in Kult und Religion ist relevanter als die der Männer. Der biologische Vater gilt als mit seinen Kindern nicht verwandt; seine Stelle nimmt, was Erziehung und Fürsorge betrifft, der Mutterbruder ein: Er ist der soziale Vater für alle Kinder seiner Schwester, auch wenn diese von verschiedenen Vätern stammen. [...] Das ganze Denkmuster, das hier nur extrem knapp umrissen wird, gibt im Grunde keinen Hinweis darauf, daß die betreffenden Menschen die Zusammenhänge zwischen Zeugung und Geburt gekannt hätten.

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About Gisela Bleibtreu-Ehrenberg

Gisela Bleibtreu-Ehrenberg (born 2 August, 1929) is a German sociologist, ethnologist, sexologist, and writer further specializing into the fields of psychology, Indo-European studies, religious studies, philology, linguistics, and philosophy, since 1980 also increasingly anthropology. Being especially active in the fields of sexuology, homophobia, and prejudice studies, she was until her retirement a leading member of the German Society for Social-Scientific Sexuality Research.

Also Known As

Alternative Names: Gisela Ingeborg Bleibtreu-Ehrenberg

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Die Feste der frühen Epochen waren stark sexuell betont. Ihr Höhepunkt war oft das, was man heute Gruppensex nennt und als sozial rein negativ einstuft. Allerdings vermag Sexualität tatsächlich soziale Spannungen abzubauen, und sie 'befriedigt' nicht nur, sie befriedet auch. Der Mensch ist anthropologisch auf viel mehr Sexualkontakte angelegt, als unsere rigide Kultur uns erlaubt, ja, nur als 'menschenwürdig' hinstellt. Die als sogenannte unnennbare Unsittlichkeit abqualifizierten Sexualbräuche vieler Naturvölker wurden von den weißen Kolonialherren oft als willkommene Vorwände instrumentalisiert, um die betreffenden Stämme guten Gewissens zu drangsalieren und zu dezimieren. Künder des Islam im Orient und Vertreter des Konfuzianismus in China bemühten sich ihrerseits ebenso wie Weiße zwecks christlicher Mission, sexuelle Riten möglichst total auszurotten, wo immer sie noch auf sie trafen: Was vordem Kult war, wurde zur Unzucht umdefiniert. Die Praxis hat bei den meisten Naturvölkern dazu geführt, daß die betreffenden Rituale erloschen. Vergleichbare Sitten sind in der Frühzeit auf dieselbe Art verschwunden, zwar nicht aus denselben, aber aus ähnlich strukturierten Gründen, denn in allen patriarchalischen Ethnien gelten orgiastische Riten als sozialschädlich.

Als Ursachen für die so oder so vorgefundene Bewertung [einer bestimmten] Sexualität [...] lassen sich generell folgende ausmachen: Die jeweilige Stammestradition mit ihren Mythen, Ursprungs- und Fruchtbarkeitssagen und ferner die kulturellen Charakteristika der fraglichen Gruppe, nun aber geographisch großräumiger betrachtet und im Zusammenhang mit Rasse, Sprache (Sprachfamilie), Erbschaftsverhältnissen (Vater- oder Mutterrecht) sowie ihren ökonomischen und ökologischen Besonderheiten gesehen. Religion, wirtschaftliche Verhältnisse, natürliche Ressourcen sowie das ökologische Umfeld insgesamt (auch dessen Veränderungen im Zeitablauf!) erweisen sich überall als direkt aufeinander bezogen.

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The proto-historic religious festivities [of the Maternal Megalith Culture] were strongly sexual in nature. They commonly culminated in what today is referred to as group sex and is socially regarded as extremely negative nowadays. In fact, the inherent potential of sexuality is to decrease social conflict, for indeed sexual activity not only gratifies, it pacifies as well. Our biological anthropological heritage disposes humanity to far more diverse varieties of sexual behaviours than our modern repressive culture permits or deems 'socially acceptable'. Abhorring them as unmentionable immoralities, white colonial masters often gladly took to using all the sexual customs of many autochtonous peoples as excuses to oppress and severely decimate the tribes in question, even doing so with a perfect peace of conscience. Islam's campaigners in the Orient, pioneers of Confucianism in China, and Caucasian Christians used their best endeavours to destroy root and branch of all surviving sexual rites they came across; that which had priorly been sacred practice became re-defined as sinful lewdness and perversion. These religious processes yielded widespread absence of such customs even in many primitive cultures by the modern period. Similar proto-historic customs [of the Maternal Megalith Culture] were wiped out in a comparable fashion [by Indo-Europeans], with structurally similar yet not identical reasonings given, for all patriarchal ethnics regard orgiastic indulgences as corruptive to their social fabric.

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