Philological considerations have slowly but surely taken the place of profound explorations of eternal problems. The question becomes: What did this or that philosopher think or not think? And is this or that text rightly ascribed to him or not? And even: Is this variant of a classical text preferable to that other? Students in university seminars today are encouraged to occupy themselves with such emasculated inquiries. As a result, of course, philosophy itself is banished from the university altogether.
German philosopher (1844–1900)
Friedrich Wilhelm Nietzsche (15 October 1844 – 25 August 1900) was a German philosopher, cultural critic, composer, poet, writer, and philologist whose work has exerted a profound influence on modern intellectual history. His critiques of contemporary culture, religion, and philosophy centered on a basic question regarding the foundation of values and morality.
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Friedrich Wilhelm Nietzsche
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Nietzsche
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So ist langsam an Stelle einer tiefsinnigen Ausdeutung der ewig gleichen Probleme ein historisches, ja selbst ein philologisches Abwägen und Fragen getreten: was der und jener Philosoph gedacht habe oder nicht, oder ob die und jene Schrift ihm mit Recht zuzuschreiben sei oder gar ob diese oder jene Lesart den Vorzug verdiene. Zu einem derartigen neutralen Sichbefassen mit Philosophie werden jetzt unsere Studenten in den philosophischen Seminarien unserer Universitäten angereizt: weshalb ich mich längst gewöhnt habe, eine solche Wissenschaft als Abzweigung der Philologie zu betrachten und ihre Vertreter danach abzuschätzen, ob sie gute Philologen sind oder nicht. Demnach ist nun freilich die Philosophie selbst von der Universität verbannt: womit unsre erste Frage nach dem Bildungswert der Universitäten beantwortet ist.
This independence is glorified as "academic freedom," ... except that in the background, a discreet distance away, stands the state watching with a certain supervisory look on its face, making sure to remind everybody from time to time that it is the aim, the purpose, the essence of this whole strange process.
Diese doppelte Selbständigkeit preist man mit Hochgefühl als ›akademische Freiheit‹: ... nur daß hinter beiden Gruppen in bescheidener Entfernung der Staat mit einer gewissen gespannten Aufsehermiene steht, um von Zeit zu Zeit daran zu erinnern, daß er Zweck, Ziel und Inbegriff der sonderbaren Sprech- und Hörprozedur sei.
But what changes come upon the weary desert of our culture, so darkly described, when it is touched by the magic of Dionysus! A storm seizes everything decrepit, rotten, broken, stunted; shrouds it in a whirling red cloud of dust and carries it into the air like a vulture. In vain confusion we seek for all that has vanished; for what we see has risen as if from beneath he earth into the gold light, so full and green, so luxuriantly alive, immeasurable and filled with yearning. Tragedy sits in sublime rapture amidst this abundance of life, suffering and delight, listening to a far-off, melancholy song which tells of the Mothers of Being, whose names are Delusion, Will, Woe. - Yes, my friends, join me in my faith in this Dionysiac life and the rebirth of tragedy. The age of Socratic man is past: crown yourselves with ivy, grasp the thyrsus and do not be amazed if tigers and panthers lie down fawning at your feet. Now dare to be tragic men, for you will be redeemed. You shall join the Dionysiac procession from India to Greece! Gird yourselves for a hard battle, but have faith in the miracles of your god!
Aber wie verändert sich plötzlich jene eben so düster geschilderte Wildniss unserer ermüdeten Cultur, wenn sie der dionysische Zauber berührt! Ein Sturmwind packt alles Abgelebte, Morsche, Zerbrochne, Verkümmerte, hüllt es wirbelnd in eine rothe Staubwolke und trägt es wie ein Geier in die Lüfte. Verwirrt suchen unsere Blicke nach dem Entschwundenen: denn was sie sehen, ist wie aus einer Versenkung an's goldne Licht gestiegen, so voll und grün, so üppig lebendig, so sehnsuchtsvoll unermesslich. Die Tragödie sitzt inmitten dieses Ueberflusses an Leben, Leid und Lust, in erhabener Entzückung, sie horcht einem fernen schwermüthigen Gesange - er erzählt von den Müttern des Seins, deren Namen lauten: Wahn, Wille, Wehe. - Ja, meine Freunde, glaubt mit mir an das dionysische Leben und an die Wiedergeburt der Tragödie. Die Zeit des sokratischen Menschen ist vorüber: kränzt euch mit Epheu, nehmt den Thyrsusstab zur Hand und wundert euch nicht, wenn Tiger und Panther sich schmeichelnd zu euren Knien niederlegen. Jetzt wagt es nur, tragische Menschen zu sein: denn ihr sollt erlöst werden. Ihr sollt den dionysischen Festzug von Indien nach Griechenland geleiten! Rüstet euch zu hartem Streite, aber glaubt an die Wunder eures Gottes!
We cannot help but see Socrates as the turning-point, the vortex of world history. For if we imagine that the whole incalculable store of energy used in that global tendency had been used not in the service of knowledge but in ways applied to the practical — selfish — goals of individuals and nations, universal wars of destruction and constant migrations of peoples would have enfeebled man's instinctive zest for life to the point where, suicide having become universal, the individual would perhaps feel a vestigial duty as a son to strangle his parents, or as a friend his friend, as the Fiji islanders do: a practical pessimism that could even produce a terrible ethic of genocide through pity, and which is, and always has been, present everywhere in the world where art has not in some form, particularly as religion and science, appeared as a remedy and means of prevention for this breath of pestilence.
...der kann sich nicht entbrechen, in Sokrates den einen Wendepunkt und Wirbel der sogenannten Weltgeschichte zu sehen. Denn dächte man sich einmal diese ganze unbezifferbare Summe von Kraft, die für jene Welttendenz verbraucht worden ist, nicht im Dienste des Erkennens, sondern auf die praktischen d.h. egoistischen Ziele der Individuen und Völker verwendet, so wäre wahrscheinlich in allgemeinen Vernichtungskämpfen und fortdauernden Völkerwanderungen die instinctive Lust zum Leben so abgeschwächt, dass, bei der Gewohnheit des Selbstmordes, der Einzelne vielleicht den letzten Rest von Pflichtgefühl empfinden müsste, wenn er, wie der Bewohner der Fidschiinseln, als Sohn seine Eltern, als Freund seinen Freund erdrosselt: ein praktischer Pessimismus, der selbst eine grausenhafte Ethik des Völkermordes aus Mitleid erzeugen könnte - der übrigens überall in der Welt vorhanden ist und vorhanden war, wo nicht die Kunst in irgend welchen Formen, besonders als Religion und Wissenschaft, zum Heilmittel und zur Abwehr jenes Pesthauchs erschienen ist.
But for Socrates, tragedy did not even seem to "tell what's true", quite apart from the fact that it addresses "those without much wit", not the philosopher: another reason for giving it a wide berth. Like Plato, he numbered it among the flattering arts which represent only the agreeable, not the useful, and therefore required that his disciples abstain most rigidly from such unphilosophical stimuli — with such success that the young tragedian, Plato, burnt his writings in order to become a pupil of Socrates.
Nun aber schien Sokrates die tragische Kunst nicht einmal "die Wahrheit zu sagen": abgesehen davon, dass sie sich an den wendet, der "nicht viel Verstand besitzt", also nicht an den Philosophen: ein zweifacher Grund, von ihr fern zu bleiben. Wie Plato, rechnete er sie zu den schmeichlerischen Künsten, die nur das Angenehme, nicht das Nützliche darstellen und verlangte deshalb bei seinen Jüngern Enthaltsamkeit und strenge Absonderung von solchen unphilosophischen Reizungen; mit solchem Erfolge, dass der jugendliche Tragödiendichter Plato zu allererst seine Dichtungen verbrannte, um Schüler des Sokrates werden zu können.
This context enables us to understand the passionate affection in which the poets of the New Comedy held Euripides; so that we are no longer startled by the desire of Philemon, who wished to be hanged at once so that he might meet Euripides in the underworld, so long as he could be sure that the deceased was still in full possession of his senses.