Bei diesem Zusammenhange ist die leidenschaftliche Zuneigung begreiflich, welche die Dichter der neueren Komödie zu Euripides empfanden; so dass der Wunsch des Philemon nicht weiter befremdet, der sich sogleich aufhängen lassen mochte, nur um den Euripides in der Unterwelt aufsuchen zu können: wenn er nur überhaupt überzeugt sein dürfte, dass der Verstorbene auch jetzt noch bei Verstande sei.

Greek tragedy met her death in a different way from all the older sister arts: she died tragically by her own hand, after irresolvable conflicts, while the others died happy and peaceful at an advanced age. If a painless death, leaving behind beautiful progeny, is the sign of a happy natural state, then the endings of the other arts show us the example of just such a happy natural state: they sink slowly, and with their dying eyes they behold their fairer offspring, who lift up their heads in bold impatience. The death of Greek tragedy, on the other hand, left a great void whose effects were felt profoundly, far and wide; as once Greek sailors in Tiberius' time heard the distressing cry 'the god Pan is dead' issuing from a lonely island, now, throughout the Hellenic world, this cry resounded like an agonized lament: 'Tragedy is dead! Poetry itself died with it! Away, away with you, puny, stunted imitators! Away with you to Hades, and eat your fill of the old masters' crumbs!'

Mit dem Tode der griechischen Tragödie dagegen entstand eine ungeheure, überall tief empfundene Leere; wie einmal griechische Schiffer zu Zeiten des Tiberius an einem einsamen Eiland den erschütternden Schrei hörten "der grosse Pan ist todt": so klang es jetzt wie ein schmerzlicher Klageton durch die hellenische Welt: "die Tragödie ist todt! Die Poesie selbst ist mit ihr verloren gegangen! Fort, fort mit euch verkümmerten, abgemagerten Epigonen! Fort in den Hades, damit ihr euch dort an den Brosamen der vormaligen Meister einmal satt essen könnt!"

According to the old story, King Midas had long hunted wise Silenus, Dionysus' companion, without catching him. When Silenus had finally fallen into his clutches, the king asked him what was the best and most desirable thing of all for mankind. The daemon stood still, stiff and motionless, until at last, forced by the king, he gave a shrill laugh and spoke these words: 'Miserable, ephemeral race, children of hazard and hardship, why do you force me to say what it would be much more fruitful for you not to hear? The best of all things is something entirely outside your grasp: not to be born, not to be, to be nothing. But the second-best thing for you — is to die soon.'

Es geht die alte Sage, dass König Midas lange Zeit nach dem weisen Silen, dem Begleiter des Dionysus, im Walde gejagt habe, ohne ihn zu fangen. Als er ihm endlich in die Hände gefallen ist, fragt der König, was für den Menschen das Allerbeste und Allervorzüglichste sei. Starr und unbeweglich schweigt der Dämon; bis er, durch den König gezwungen, endlich unter gellem Lachen in diese Worte ausbricht: `Elendes Eintagsgeschlecht, des Zufalls Kinder und der Mühsal, was zwingst du mich dir zu sagen, was nicht zu hören für dich das Erspriesslichste ist? Das Allerbeste ist für dich gänzlich unerreichbar: nicht geboren zu sein, nicht zu sein, nichts zu sein. Das Zweitbeste aber ist für dich - bald zu sterben.

In these dancers of Saint John and Saint Vitus we can recognize the Bacchic choruses of the Greeks, with their prehistory in Asia Minor, as far back as Babylon and the orgiastic Sacaea. Some people, either through a lack of experience or through obtuseness, turn away with pity or contempt from phenomena such as these as from 'folk diseases', bolstered by a sense of their own sanity; these poor creatures have no idea how blighted and ghostly this 'sanity' of theirs sounds when the glowing life of Dionysiac revellers thunders past them.

In diesen Sanct-Johann- und Sanct-Veittänzern erkennen wir die bacchischen Chöre der Griechen wieder, mit ihrer Vorgeschichte in Kleinasien, bis hin zu Babylon und den orgiastischen Sakäen. Es giebt Menschen, die, aus Mangel an Erfahrung oder aus Stumpfsinn, sich von solchen Erscheinungen wie von "Volkskrankheiten", spöttisch oder bedauernd im Gefühl der eigenen Gesundheit abwenden: die Armen ahnen freilich nicht, wie leichenfarbig und gespenstisch eben diese ihre "Gesundheit" sich ausnimmt, wenn an ihnen das glühende Leben dionysischer Schwärmer vorüberbraust.

Thus the man who is responsive to artistic stimuli reacts to the reality of dreams as does the philosopher to the reality of existence; he observes closely, and he enjoys his observation: for it is out of these images that he interprets life, out of these processes that he trains himself for life. It is not only pleasant and agreeable images that he experiences with such universal understanding: the serious, the gloomy, the sad and the profound, the sudden restraints, the mockeries of chance, fearful expectations, in short the whole 'divine comedy' of life, the Inferno included, passes before him, not only as a shadow-play — for he too lives and suffers through these scenes — and yet also not without that fleeting sense of illusion; and perhaps many, like myself, can remember calling out to themselves in encouragement, amid the perils and terrors of the dream, and with success: 'It is a dream! I want to dream on!' Just as I have often been told of people who have been able to continue one and the same dream over three and more successive nights: facts which clearly show that our innermost being, our common foundation, experiences dreams with profound pleasure and joyful necessity.

Wie nun der Philosoph zur Wirklichkeit des Daseins, so verhält sich der künstlerisch erregbare Mensch zur Wirklichkeit des Traumes; er sieht genau und gern zu: denn aus diesen Bildern deutet er sich das Leben, an diesen Vorgängen übt er sich für das Leben. Nicht etwa nur die angenehmen und freundlichen Bilder sind es, die er mit jener Allverständigkeit an sich erfährt: auch das Ernste, Trübe, Traurige, Finstere, die plötzlichen Hemmungen, die Neckereien des Zufalls, die bänglichen Erwartungen, kurz die ganze "göttliche Komödie" des Lebens, mit dem Inferno, zieht an ihm vorbei, nicht nur wie ein Schattenspiel - denn er lebt und leidet mit in diesen Scenen - und doch auch nicht ohne jene flüchtige Empfindung des Scheins; und vielleicht erinnert sich Mancher, gleich mir, in den Gefährlichkeiten und Schrecken des Traumes sich mitunter ermuthigend und mit Erfolg zugerufen zu haben: "Es ist ein Traum! Ich will ihn weiter träumen!" Wie man mir auch von Personen erzählt hat, die die Causalität eines und desselben Traumes über drei und mehr aufeinanderfolgende Nächte hin fortzusetzen im Stande waren: Thatsachen, welche deutlich Zeugniss dafür abgeben, dass unser innerstes Wesen, der gemeinsame Untergrund von uns allen, mit tiefer Lust und freudiger Nothwendigkeit den Traum an sich erfährt.

Diesen Ernsthaften diene zur Belehrung, dass ich von der Kunst als der höchsten Aufgabe und der eigentlich metaphysischen Thätigkeit dieses Lebens im Sinne des Mannes überzeugt bin, dem ich hier, als meinem erhabenen Vorkämpfer auf dieser Bahn, diese Schrift gewidmet haben will.