Das Zentrum der geistigen Selbstdisziplin als solcher ist in Zersetzung begriffen. Die Tabus, die den geistigen Rang eines Menschen ausmachen, oftmals sedimentierte Erfahrungen und unartikulierte Erkenntnisse, richten sich stets gegen eigene Regungen, die er verdammen lernte, die aber so stark sind, daß nur eine fraglose und unbefragte Instanz ihnen Einhalt gebieten kann. Was fürs Triebleben gilt, gilt fürs geistige nicht minder: der Maler und Komponist, der diese und jene Farbenzusammenstellung oder Akkordverbindung als kitschig sich untersagt, der Schriftsteller, dem sprachliche Konfigurationen als banal oder pedantisch auf die Nerven gehen, reagiert so heftig gegen sie, weil in ihm selber Schichten sind, die es dorthin lockt. Die Absage ans herrschende Unwesen der Kultur setzt voraus, daß man an diesem selber genug teilhat, um es gleichsam in den eigenen Fingern zucken zu fühlen, daß man aber zugleich aus dieser Teilhabe Kräfte zog, sie zu kündigen. Diese Kräfte, die als solche des individuellen Widerstands in Erscheinung treten, sind darum doch keineswegs selber bloß individueller Art. Das intellektuelle Gewissen, in dem sie sich zusammenfassen, hat ein gesellschaftliches Moment so gut wie das moralische Überich. Es bildet sich an einer Vorstellung von der richtigen Gesellschaft und deren Bürgern. Läßt einmal diese Vorstellung nach—und wer könnte noch blind vertrauend ihr sich überlassen—, so verliert der intellektuelle Drang nach unten seine Hemmung, und aller Unrat, den die barbarische Kultur im Individuum zurückgelassen hat, Halbbildung, sich Gehenlassen, plumpe Vertraulichkeit, Ungeschliffenheit, kommt zum Vorschein. Meist rationalisiert es sich auch noch als Humanität, als den Willen, anderen Menschen sich verständlich zu machen, als welterfahrene Verantwortlichkeit. Aber das Opfer der intellektuellen Selbstdisziplin fällt dem, der es auf sich nimmt, viel zu leicht, als daß man ihm glauben dürfte, daß es eines ist.
German philosopher, sociologist and theorist (1903–1969)
Theodor Ludwig Wiesengrund Adorno (September 11, 1903 – August 6, 1969) was a German sociologist, philosopher, musicologist and composer.
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Native Name:
Theodor Ludwig Wiesengrund Adorno
Alternative Names:
Theodor Wiesengrund Adorno
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Theodor Wiesengrund-Adorno
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Theodor Wiesengrund
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Teodor V. Adorno
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Theodore W. Adorno
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Theodor Adorno
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Theodor Ludwig Wiesengrund-Adorno
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Theodor Ludwig Wiesengrund
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Theodor Ludwig Adorno-Wiesengrund
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Theodor Ludwig Adorno-Wellington
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The son of well-to-do parents who ... engages in a so-called intellectual profession, as an artist or a scholar, will have a particularly difficult time with those bearing the distasteful title of colleagues. It is not merely that his independence is envied, the seriousness of his intentions mistrusted, that he is suspected of being a secret envoy of the established powers. ... The real resistance lies elsewhere. The occupation with things of the mind has by now itself become “practical,” a business with strict division of labor, departments and restricted entry. The man of independent means who chooses it out of repugnance for the ignominy of earning money will not be disposed to acknowledge the fact. For this he is punished. He ... is ranked in the competitive hierarchy as a dilettante no matter how well he knows his subject, and must, if he wants to make a career, show himself even more resolutely blinkered than the most inveterate specialist. The urge to suspend the division of labor which, within certain limits, his economic situation enables him to satisfy, is thought particularly disreputable: it betrays a disinclination to sanction the operations imposed by society, and domineering competence permits no such idiosyncrasies. The departmentalization of mind is a means of abolishing mind where it is not exercised ex officio, under contract. It performs this task all the more reliably since anyone who repudiates this division of labor—if only by taking pleasure in his work—makes himself vulnerable by its standards, in ways inseparable from elements of his superiority. Thus is order ensured: some have to play the game because they cannot otherwise live, and those who could live otherwise are kept out because they do not want to play the game.
Für Marcel Proust.—Der Sohn wohlhabender Eltern, der, gleichgültig ob aus Talent oder Schwäche, einen sogenannten intellektuellen Beruf, als Künstler oder Gelehrter, ergreift, hat es unter denen, die den degoutanten Namen des Kollegen tragen, besonders schwer. Nicht bloß, daß ihm die Unabhängigkeit geneidet wird, daß man dem Ernst seiner Absicht mißtraut und in ihm einen heimlichen Abgesandten der etablierten Mächte vermutet. Solches Mißtrauen zeugt zwar von Ressentiment, würde aber meist seine Bestätigung finden. Jedoch die eigentlichen Widerstände liegen anderswo. Die Beschäftigung mit geistigen Dingen ist mittlerweile selber »praktisch«, zu einem Geschäft mit strenger Arbeitsteilung, mit Branchen und numerus clausus geworden. Der materiell Unabhängige, der sie aus Widerwillen gegen die Schmach des Geldverdienens wählt, wird nicht geneigt sein, das anzuerkennen. Dafür wird er bestraft. Er ist kein »professional«, rangiert in der Hierarchie der Konkurrenten als Dilettant, gleichgültig wieviel er sachlich versteht, und muß, wenn er Karriere machen will, den stursten Fachmann an entschlossener Borniertheit womöglich noch übertrumpfen. Die Suspension der Arbeitsteilung, zu der es ihn treibt, und die in einigen Grenzen seine ökonomische Lage zu verwirklichen ihn befähigt, gilt als besonders anrüchig: sie verrät die Abneigung, den von der Gesellschaft anbefohlenen Betrieb zu sanktionieren, und die auftrumpfende Kompetenz läßt solche Idiosynkrasien nicht zu. Die Departementalisierung des Geistes ist ein Mittel, diesen dort abzuschaffen, wo er nicht ex officio, im Auftrag betrieben wird. Es tut seine Dienste um so zuverlässiger, als stets derjenige, der die Arbeitsteilung kündigt—wäre es auch nur, indem seine Arbeit ihm Lust bereitet —, nach deren eigenem Maß Blößen sich gibt, die von den Momenten seiner Überlegenheit untrennbar sind. So ist für die Ordnung gesorgt: die einen müssen mitmachen, weil sie sonst nicht leben können, und die sonst leben könnten, werden draußen gehalten, weil sie nicht mitmachen wollen. Es ist, als rächte sich die Klasse, von der die unabhängigen Intellektuellen desertiert sind, indem zwangshaft ihre Forderungen dort sich durchsetzen, wo der Deserteur Zuflucht sucht.
The melancholy science from which I make this offering to my friend relates to a region that from time immemorial was regarded as the true field of philosophy, but which, since the latter's conversion into method, has lapsed into intellectual neglect, sententious whimsy and finally oblivion: the teaching of the good life. What the philosophers once knew as life has become the sphere of private existence and now of mere consumption, dragged along as an appendage of the process of material production, without autonomy or substance of its own.
Die traurige Wissenschaft, aus der ich meinem Freunde einiges darbiete, bezieht sich auf einen Bereich, der für undenkliche Zeiten als der eigentliche der Philosophie galt, seit deren Verwandlung in Methode aber der intellektuellen Nichtachtung, der sententiösen Willkür und am Ende der Vergessenheit verfiel: die Lehre vom richtigen Leben. Was einmal den Philosophen Leben hieß, ist zur Sphäre des Privaten und dann bloß noch des Konsums geworden, die als Anhang des materiellen Produktionsprozesses, ohne Autonomie und ohne eigene Substanz, mit geschleift wird.
The metaphysical apologia at least betrayed the injustice of the established order through the incongruence of concept and reality. The impartiality of scientific language deprived what was powerless of the strength to make itself heard and merely provided the existing order with a neutral sign for itself. Such neutrality is more metaphysical than metaphysics.'''
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Bourgeois sport [wants] to differentiate itself strictly from play. Its bestial seriousness consists in the fact that instead of remaining faithful to the dream of freedom by getting away from purposiveness, the treatment of play as a duty puts it among useful purposes and thereby wipes out the trace of freedom in it. This is particularly valid for contemporary mass music. It is only play as a repetition of prescribed models, and the playful release from responsibility which is thereby achieved does not reduce at all the time devoted to duty except by transferring the responsibility to the models, the following of which one makes into a duty for himself.